None of the Above
"
Wir schwirren voraus und das kaum geradeaus. Da ist kein Weg, wir treiben. Aber alles besser, als stehen zu bleiben." So heißt es in einem Lied der Sterne, und dieses Zitat dürfte bezeichnend sein für die bisherige Entwicklung von None Of The Above. Wer das musikalische Schaffen von Benjamin Gildemeister, Christoph Olszowka und Robert Seemann von Anfang an peripher verfolgt hat, verfiel in letzter Zeit in ungläubiges Staunen, wenn er die jetzige Qualität von NOTA bewundern durfte. Wer diese drei, die jetzt zu viert sind, besser kannte, hätte damit rechnen sollen.
Sicherlich verhießen die ersten Schritte unter dem vorläufigen Bandnamen "Spencer Sucks" mit Robert an den Drums, Benni am Bass sowie Christoph an Gitarre und Gesang alles andere als die große Popkarriere. Gegründet auf einem Spielplatz, gebunden an die schulischen Instrumente und gebremst von anfänglich hundertprozentiger musikalischer Unfähigkeit war der Beginn des Schaffens wohl recht mühsam, was den drei Jungs aber (abgesehen vielleicht von Roberts Aus- und Wiedereinstieg) zu keinem Zeitpunkt etwas auszumachen schien. Den ersten musikalischen Erguss namens "Mündliche Wiederholung" brachten die drei ganz selbstverständlich in einer Auflage von 50 Exemplaren unters Volk. Ausgelebter, an Punk und Emo angelehnter Dilettantismus und ein für 2-11 Menschen zugänglicher Humor ließen die große Freude erkennen, die die Band beim Einspielen dieser EP empfunden haben muss. Dass selbst der geneigte Hörer nicht imstande war, sich diese EP mehr als dreimal zu Gemüte zu führen, stand dabei erst einmal im Hintergrund. Was zählte, war die Liebe zur Musik, die Liebe zu den Tönen.
Wer also abgesehen von all dem Schabernack die Begeisterung und die Hingabe der drei erkannte, der konnte sichergehen, dass Spencer Sucks sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben würden. Die professionelle Homepage, die Anschaffung der benötigten Instrumente und der gemietete Proberaum gaben dem ganzen Vorhaben konkretere Formen. Konsequenterweise folgte der erste Auftritt in der Schule im Januar 2003. Den Kommentaren Anwesender nach zu urteilen war dieser Auftritt zumindest ein Achtungserfolg. Ein weiterer Auftritt im Juni des selben Jahres wurde von der Band selbst sehr kritisch beurteilt und schien im Zuge der geplanten Aufnahmen für ein komplettes Album zu einem Umdenken zu führen.
So geschah es, dass die Band ihren bisherigen Namen, der doch recht unseriös wirkte, ablegte und sich in "None Of The Above" umbenannte. Der Bandname war für diese Phase des Imagewandels bezeichnend: weg von dem, was vorher war, hin zu ernstzunehmender Musik. Es sollte das Startzeichen sein. Der in Umlauf gebrachte Song "Pure Bliss" übertrug den Fortschritt auf die Musik, auf einmal gab es hörbar beherrschte Instrumente, Melodie und mehr als akzeptablen Gesang. Es vollzog sich eine Entwicklung weg vom Punk in Richtung Indie-Rock, selbsterklärt irgendwo zwischen Jimmy Eat World, Oasis und Tocotronic liegend.
Dementsprechend war auch das "öffentliche" Debut im Jugendkulturcafe Norderstedt ein erstes: "Hallo Welt!". Und was für ein positives Feedback es gab: Zum ersten mal konnte man nicht nur sagen, dass es einem gefallen hatte, sondern vor allem dass man das Dargebotene für gut befand. Und kann es größere Komplimente geben, als von Menschen die zum ersten mal etwas von NOTA gehört hatten, mit Pavement verglichen zu werden? Man weiß es nicht. Der folgende Auftritt in Stellingen und die Teilnahme an einem Bandwettbewerb in der Markthalle legten ein Selbsbewusstsein an den Tag, das man zuvor nicht gekannt hatte. Mit technischen Problemen ging man äußerst souverän um und Christoph überspielte uneingeplante Pausen mit einer Coolness, die schon fast an einen Herrn Uhlmann erinnerte.
Was die Zukunft mit NOTA anstellt oder was NOTA mit der Zukunft anstellen, wird man sehen. Gewiss ist jedoch, dass diese Band definitiv noch viel Potential hat, das es zu entdecken gilt. Die Entwicklung lässt sich auch weiterhin nicht aufhalten: Von der Aufnahme des talentierten Benno Oppermanns als viertem Mitglied werden NOTA mit Sicherheit profitieren. Mit einem zweiten Gitarristen und/oder Keyboarder wird die Entwicklung in Richtung Gitarrenpop mit Hitpotential vorangetrieben, und wer weiß, wie lange die oben erwähnten Kategorien noch ausreichen. Egal wie oft die Band ihr Konzept auch noch umwerfen mag: Es wird sich lohnen, die vier weiterhin zu verfolgen.